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30 Jul
Bildungsminister erteilt Plänen zur Verkürzung der Pflichtschule eine Absage

Das tschechische Schulsystem gliedert sich in vier Hauptbereiche: die Vorschulbildung, die neunjährige Grundschule, die weiterführenden Mittelschulen und die Hochschulbildung. SPD-Chef Tomio Okamura regte an, das neunte Schuljahr abzuschaffen, um den Staatshaushalt zu entlasten. Nachdem Premier Andrej Babiš (ANO) diesen Vorschlag unterstützt hat, meldete sich der ressortverantwortliche Bildungsminister Robert Plaga in einem Interview mit dem Radiosender Radiožurnál zu Wort und erteilte ebendiesen Plänen eine Absage.

Bild: Site123/GettyImages

Die angebliche Einsparung von 50 Milliarden Kronen (2,07 Mrd. €), die laut Okamura durch die Verkürzung der Schulzeit erzielt werden könnte, sei unrealistisch, betonte Plaga. Er wolle eine Diskussion über die Effizienz des tschechischen Bildungswesens anstoßen, die sich seiner Meinung nach jedoch nicht durch pauschale Kürzungen lösen lasse.

"Die Debatte darüber, dass wir im Bildungswesen Einsparungen erzielen, indem wir etwas abschaffen, klingt zwar verlockend, funktioniert in der Realität aber nicht. (… )Ich kann schon jetzt sagen, dass sowohl das Finanzministerium als auch das Analyseteam des Bildungsministeriums sich damit befasst haben und diese 50 Milliarden Kronen reine 'Hausnummern' sind. Das sieht zwar gut aus, ist aber eine unrealistische Zahl und hat überhaupt nichts mit dem zu tun, was tatsächlich passieren würde", erklärte der Minister gegenüber Radiožurnál.

Okamura schlug Mitte Juli vor, die neunte Klasse der Grundschule abzuschaffen, wie es in Deutschland, Polen oder Ungarn der Fall ist. "Diese Änderung würde laut Ökonomen jährlich 50 Milliarden in den Staatshaushalt einbringen, ohne dass es zu einer nachweisbaren Verschlechterung der Bildungsqualität käme. Außerdem würde dies einen früheren Einstieg ins Berufsleben ermöglichen", meinte Okamura. Auch Premier Babiš äußerte die Ansicht, dass es ausreichen würde, wenn die Grundschule acht Klassen hätte.

"Ich bin bereit, darüber zu diskutieren, ob wir zwei Pflichtjahre der Vorschulerziehung in Kindergärten haben sollten. Ob es eine achte oder neunte Klasse geben soll, darüber können wir gerne sprechen - aber lassen Sie uns das im Gesamtkontext tun: Wie soll der allgemeine Teil der Sekundarschulbildung aussehen, wie lang und wie flexibel soll die Hochschulbildung sein?", erklärte Plaga. Die aktuelle Diskussion über die Abschaffung der neunten Klassen bezeichnete er als "Sommersturm". "Für mich ist das eine Durststrecke und eine Art Ablenkungsmanöver von Tomio Okamura", sagte der Minister gegenüber Radiožurnál.

Die neunten Klassen machen laut Plaga Sinn - gerade in ihnen entscheiden sich die 15-Jährigen für ihren weiteren Bildungsweg und ihre Spezialisierung. "Für mich macht das Sinn. Vor allem reden wir darüber, dass immer mehr Leute kommen und sagen: Bringt den Kindern in der Schule noch dies und das bei, bringt ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit mobilen Technologien, sozialen Netzwerken und anderen Dingen bei, die in der heutigen modernen Welt auf sie einwirken. Und gleichzeitig sagen sie: Na gut, dafür habt ihr aber nur acht Jahre Zeit. Lasst uns diese Debatte ruhig führen, aber dann müssen wir das, was wir von der Grundschule erwarten, dass sie den Kindern beibringt, entsprechend reduzieren", fügte Plaga hinzu.

Auch der Verband der Grundschuldirektoren (AŘZŠ)  hatte bereits zuvor erklärt, dass eine mögliche Entscheidung über die Änderung der Dauer der Schulpflicht das Ergebnis einer fachlichen Analyse, einer Diskussion und eines anschließenden breiten gesellschaftlichen Konsenses sein muss. Sie darf nicht auf der Grundlage isolierter Äußerungen aus politischen Debatten umgesetzt werden.


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