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11 Jan
Französischer Präsident empfing Babiš im Élysée-Palast

Einen Tag nach seinem erstinstanzlichen Freispruch in der Causa Storchennest wurde der frühere Premier und nunmehrige Präsidentschaftskandidat Andrej Babiš (ANO) in Paris vom französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron empfangen. Abseits der Unterredung mit Macron, die laut Babiš 40 Minuten gedauert hat, traf sich der ANO-Parteichef mit dem Schriftsteller Milan Kundera und dem aktuell reichsten Mann der Welt, Bernard Arnault.

Andrej Babiš mit Emmanuel Macron

Bild: Facebook/Andrej Babiš

Solche Inszenierungen sind wohl die beste Motivation für die Anhänger von Andrej Babiš, die in zwei Tagen zur Wahl gehen um ihm seine Stimme zu geben. Auf Facebook dokumentierte Babiš sein Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten, bei dem es um den Krieg in der Ukraine und um Lösungen der aktuellen Energiekrise gegangen sein soll. Das Treffen stand nicht auf der offiziellen Agenda Macrons, und der Élysée-Palast hat sich auch bisher nicht dazu geäußert. Eine Sprecherin von Macrons Büro wies jedoch darauf hin, dass der Besuch von Babiš keine Wahlunterstützung vonseiten Macrons darstelle. 

Tschechiens Ex-Premier betonte, dass er und Macron befreundet sind. "Ich weiß es zu schätzen, dass er mich im Élysée-Palast empfing, so wie er auch vor kurzem bei seinem Besuch in Prag Zeit für mich gefunden hat", fügte er hinzu. Babiš traf Macron im Herbst in Prag am Rande eines informellen EU-Gipfels.

Babiš hat Macron kurz vor Silvester um einen Termin gebeten. Er betonte, dass er gerne mehr über das Treffen mit US-Präsident Joe Biden Anfang Dezember in Washington und den Verlauf der Friedensgespräche erfahren würde.

"Macron antwortete innerhalb einer halben Stunde und lud ihn zu einem freundschaftlichen Treffen ein. Das hat uns angenehm überrascht und dabei handelt es sich um keinen Marketingtrick", betonte die Sprecherin des Ex-Premier Tünde Bartha. Sie bestätigte auch, dass Babiš die Erkenntnisse aus dem Treffen in die Fernsehdebatte zur Präsidentschaftswahl auf TV Nova am Tag vor der Wahl einfließen lassen werde. Bartha zufolge spricht Babiš oft davon, dass er, sollte er Präsident werden, versuchen würde, einen Friedensgipfel in Prag stattfinden zu lassen.

Der politische Analyst Jan Kubáček hat keinen Zweifel daran, dass die Reise von Babiš ein Wahlkampfmanöver ist. "Die Menschen kennen Emmanuel Macron, sie neigen dazu, französische Politiker hoch einzuschätzen und Frankreich ist als Land allgemein akzeptiert", sagte er gegenüber der Tschechischen Nachrichtenagentur ČTK. Er fügte hinzu, dass das Treffen mit Macron der breiten Öffentlichkeit zeige, dass Babiš immer noch hohes politisches Ansehen genieße.

Der tschechische Oppositionsführer kam nicht mit leeren Händen in den Élysée-Palast. Er überreichte dem französischen Präsidenten eine Vase aus tschechischem Moser-Kristall, und es gab auch einen Katalog der berühmten Karlsbader Glashütte.

Frühstück mit reichstem Mann der Welt

Neben dem Besuch bei Emmanuel Macron hatte Babiš noch weitere Termine in Paris. So traf er den 93-jährigen tschechischen Schriftsteller Milan Kundera, der mit seiner Frau in Frankreich lebt, und brachte Karlsbader Oblaten mit. Babiš betonte, er habe sich als Premier für die Wiederannerkennung der tschechischen Staatsbürgerschaft Kunderas eingesetzt, die dem regimekritischen Schriftsteller von den Kommunisten entzogen worden war. Seit 2019 ist Kundera wieder tschechischer Staatsbürger.

Zum Frühstück traf sich der ANO-Chef mit Bernard Arnault, dem reichsten Mann der Welt und unter anderem Eigentümer des Luxusmodeunternehmens Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH). Thema des Gespräches waren laut Bartha "Aktivitäten zum Zwecke der Wohltätigkeit".


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