
Die Regierungspartei SPD hat eine Petition gegen die Abhaltung des Sudetendeutschen Tages in Tschechien gestartet. In Brünn, wo das Treffen vom 22. bis 25. Mai stattfinden soll, wird am 28. April eine Kundgebung gegen die Veranstaltung organisiert, am 24. Mai dann ein Gedenkmarsch für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Dies teilte die SPD-Abgeordnete Lucie Šafránková den Journalisten im Abgeordnetenhaus mit. Nach Ansicht der SPD gehört der Sudetendeutsche Tag "weder nach Brünn, noch an einen anderen Ort in der Tschechischen Republik".

Präsentation der SPD-Abgeordneten Lucie Šafránková auf Facebook
Bild: Facebook/ Lucie Šafránková - Zapratovatel SPD
Die rechtspopulistische SPD hat bereits im November angekündigt, dass sie vom Veranstalter Meeting Brno, der die Sudetendeutsche Landmannschaft (SL) nach Tschechien eingeladen hat, die Rückzahlung aller Subventionen von der Stadt Brünn und der Region Südmähren verlangen werde, falls öffentliche Gelder für diese Veranstaltung verwendet würden. Laut Šafránková schrieben die Gegner des Kongresses auch einen Brief an die SL und erfuhren vom Vorsitzenden der Vereinigung, Bernd Posselt, dass er "nicht von seinem Plan abrücken" wolle. Šafránková wiederholte, dass die Durchführung einer solchen Veranstaltung "in einer Stadt, die während der Besatzungszeit Hinrichtungen, Vertreibungen und schmerzhafte Verluste von Familien erlebt habe, inakzeptabel und zutiefst unsensibel" sei.
Šafránková sagte im Herbst, dass Meeting Brno für seine derzeitige Tätigkeit eine Subvention in Höhe von neun Millionen CZK (370.000 Euro) von der Stadt Brünn und sechs Millionen Kronen (247.000 Euro) von der Region Südmähren erhalten habe. "Wir sind uns bewusst, dass die Organisatoren Finanzmittel aus anderen Quellen beschaffen können. Aber wenn auch nur eine Krone aus den Subventionen für diese Veranstaltung verwendet würde, würden wir kompromisslos die Streichung der gesamten Subventionen fordern", erklärte sie. Das Geld solle "für kulturelle und soziale Projekte" verwendet werden, "nicht für Veranstaltungen, die die Gesellschaft spalten und die Geschichte relativieren". Die SDP-Abgeordnete bewirbt zur Zeit eine Petition zur Verhinderung des Sudetendeutschen Tages in Brünn.
150 Gegendemonstranten in Prag und Brünn
Ende Oktober letzten Jahres organisierten die Gegner des Kongresses in Prag und Brünn Demonstrationen gegen die Veranstaltung der Sudetendeutschen. Trotz Kampagnen auf Social Media hielt sich der Zulauf an Mitstreitern aber in Grenzen. Insgesamt etwa 150 Menschen - in Prag und in Brünn zusammen - folgten dem Aufruf auf die Straße. Sie warnten "vor Versuchen, die Geschichte zu revidieren". Der Vorsitzende der SL, Posselt, erklärte daraufhin in Prag, dass die Ausrichtung des Kongresses in Brünn "ein logischer Schritt in der harmonischen Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland sei". Seiner Meinung nach liege es an den einzelnen Politikern, ob sie die Einladung zum Kongress annehmen.
Meeting Brno feierte im vergangenen Jahr das 10-jährige Bestehen. Es wurde von einer Gruppe engagierter Brünner ins Leben gerufen, um in Form eines Kulturfestivals die Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen zu fördern. Der damalige Bürgermeister von Brünn, Petr Vokřal (damals ANO, heute Eid-Bewegung) setzte gegen Widerstände von ODS, Kommunisten und Teilen der Sozialdemokraten eine offizielle Erklärung der Stadt Brünn durch. In dieser Resolution hat sich der Stadtsenat Brünns zu den 1945 von Tschechen begangenen Verbrechen im Zuge des Brünner Todesmarsches geäußert und die damaligen Vorfälle bedauert. Seither wird alljährlich von Meeting Brno der "Lebensmarsch" von Pohrlitz/Pohořelice nach Brünn veranstaltet.
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