
Von unserem Leser Jürgen Tschirner. - Im Palais Schwarzenberg wohnte einst ein Beamter mit seiner schönen Tochter Elisabeth. Sie verliebte sich in einen armen Handwerker aus der Ostruhová. Obwohl ihr Vater sie bewachen ließ, fanden die Liebenden einen Weg, sich heimlich zu treffen.

Palais Schwarzenberg in Prag
Bild: Von VitVit - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Sobald die Dämmerung anbrach, leuchtete in einem Fenster in der Ostruhová ein Licht auf. Auf dieses Zeichen stahl sich Elisabeth aus dem Haus. Unter der Marienstatue oben an der Burgauffahrt wartete ihr Liebster.
Als ihr Vater davon erfuhr, sorgte er dafür, dass der arme Junge in die Armee eingezogen wurde. Bei ihrem letzten Treffen schworen die beiden Liebenden einander Treue und Elisabeth versprach, jeden Abend das Fenster zu beobachten.
Der junge Mann zog von dannen und niemand hörte je wieder von ihm. Elisabeth jedoch wartete und wartete. Als ihr Vater starb, musste sie umziehen, und konnte das Haus ihres Liebsten nicht mehr sehen.
So ging sie jeden Abend zur Marienstatue und hielt Ausschau. Dort stand sie sommers wie winters und sagte nie ein Wort. Die Jahre vergingen, ihre Haare wurden grau und Falten durchzogen das einst liebliche Gesicht.
Eines Winterabends stand sie wieder unter der Statue und blickte über die schneebedeckten Dächer. Mit der Zeit setzte Schneegestöber und kräftiger Frost ein. Als am Morgen ein Polizist an die eingeschneite, reglose Person herantrat, war Elisabeth schon tot. Auf ihren Wangen glänzten zwei gefrorene Tränen.
Vielen Dank an den Leser Jürgen Tschirner für diese zwar traurige, aber dennoch schöne Geschichte.
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