
Den Titel "Historische Stadt des Jahres" trägt ein Jahr lang das Städtchen Náměšť nad Oslavou (Namiest an der Oslau) im mährischen Hochland. Die Auszeichnung würdigt die Verwendung von Mitteln aus dem Programm des Kulturministeriums für die Restaurierung von Denkmälern. Die Jury wählte in diesem Jahr im Finale der 32. Ausgabe aus 13 Städten aus. Im vergangenen Jahr ging der Titel "Historische Stadt des Jahres" an Moravská Třebová (Mährisch Trübau).
Bilder: Kudy z nudy, Městské kulturní středisko v Náměšti nad Oslavou
Die historischen Wahrzeichen der Stadt sind das Renaissanceschloss und die Steinbrücke über den Fluss Oslava mit 20 Barockstatuen. Der historische Kern von Náměšť nad Oslavou ist städtebaulich und architektonisch ein außerordentlich wertvolles Ensemble, dessen Bedeutung nicht nur in den einzelnen historischen Kulturdenkmälern liegt, sondern auch in deren Verbindungen und der erhaltenen historischen Struktur.
Das Renaissance-Schloss wurde im 16. Jahrhundert von den damaligen Besitzern, den Herren von Žerotín (Zierotin), aus einer ursprünglichen mittelalterlichen Burg umgebaut. Im Inneren ist eine Sammlung seltener Wandteppiche zu sehen; bei der Besichtigung erhält man auch Einblick in die Kapelle und die Bibliothek mit wunderschönen Fresken, in den Innenhof mit Arkaden und eienm Neptunbrunnen, in den kleinen französischen Garten und den englischen Park. Direkt unterhalb des Schlosses liegt das kleine historische Zentrum mit einem Marktplatz, zu dem eine mit zwanzig Barockskulpturen verzierte Steinbrücke führt. Die Brücke wird gerne als die "Kleine Schwester der Prager Karlsbrücke" bezeichnet.
Die Urkunde mit der Auszeichnung "Historische Stadt des Jahres 2025" wurde im Rahmen einer Feier dem Namiester Bürgermeister Jan Kotačka überreicht. Kotačka erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur ČTK, er schätze diesen Wettbewerb, weil die Organisatoren sehr daran interessiert seien, wie Gemeinden und Städte ihr kulturelles Erbe pflegen. Seiner Meinung nach sollte ein Katalog erstellt werden, der auflistet, was in Tschechien alles erfolgreich restauriert wurde. "Das ist ein Dankeschön nicht nur an den aktuellen Gemeinderat und die Stadtverwaltung, sondern an alle Vorgänger, die sich in Náměšť nad Oslavou stets um die Denkmäler gekümmert haben", sagte der Bürgermeister.
Nach Ansicht der Jury restauriert die Stadt kontinuierlich und systematisch historische Gebäude und arbeitet vorbildlich mit den Verwaltern des Schlosses Náměšť vom Nationalen Denkmalinstitut zusammen. Unweit des Schlosses steht die denkmalgeschützte Žižka-Eiche, die vermutlich älteste Eiche in der Tschechischen Republik. Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen des Programms zur Sanierung der Denkmalschutzgebiete in Náměšť nad Oslavou die ehemalige Manufaktur restauriert. In den letzten Jahren ließ die Stadt die historische Brücke und die darauf befindlichen Kopien barocker Skulpturen restaurieren. Außerdem wurde mit der Sanierung des alten Rathauses begonnen, und ein Projekt zur Restaurierung der Innenräume ist in Vorbereitung.
Náměšť nad Oslavou hat knapp 5.000 Einwohner und liegt in der Hochlandregion (Vysočina) an der Bahnstrecke Brünn-Trebitsch (Třebíč). Von der Autobahn Prag-Brünn (D1) nimmt man die Ausfahrt Velká Bíteš und erreicht über die Straße 399 in ca. 10 km die aktuelle "Historische Stadt des Jahres". Die Bezirksstadt Trebitsch mit ihren zwei UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten ist in unmittelbarer Nähe, genauso wie Nachbargemeinde Kralitz an der Oslau (Kralice nad Oslavou), wo im 16. Jh. die Kralitzer Bibel entstand, die erste Bibel-Übersetzung ins Tschechische.
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