
Dank den inländischen Gästen konnte der Tourismus in Tschechien im ersten Halbjahr ein wenig zulegen. Die Anzahl der ausländischen Touristen stagnierte, jedoch war die Kaufkraft bei den Ausländern um einiges höher. Dies bestätigten die von der Nachrichtenagentur ČTK befragten Analysten und Experten. Nach wie vor hat Tschechien aber ein Problem mit der Umverteilung der Touristen, die großteils nur Prag bevorzugen.

Prag ist und bleibt die Hauptdestination von ausländischen Touristen
Bild: GettyImages
Im zweiten Quartal übernachteten laut den Daten des Tschechischen Statistikamtes (ČSÚ) 6,4 Millionen Gäste in tschechischen Hotels und Pensionen, was einem Anstieg von einem halben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Es gab mehr inländische Gäste, während die Zahl der Gäste aus dem Ausland zum ersten Mal seit dem Frühjahr 2021 im Jahresvergleich stagnierte.
"Das Wachstum des tschechischen Tourismus beruht fast ausschließlich auf einer starken Inlandsnachfrage, die die Beherbergungskapazitäten in den Regionen auslastet. Das Interesse der ausländischen Gäste ist weiterhin extrem auf die Hauptstadt fokussiert", sagte Štěpán Křeček, Chefökonom bei BHS gegenüber der ČTK. Seiner Meinung nach entsteht dadurch eine deutliche strukturelle Spaltung: Während Hoteliers in Prag, insbesondere im Luxussegment, vom Interesse ausländischer Touristen profitieren, sind regionale Hoteliers hingegen weitgehend auf die inländische Kundschaft angewiesen.
Prag ist das Flaggschiff und die Regionen schauen bei den ausländischen Gästen durch die Finger
Obwohl ganz Tschechien eine Vielfalt an kulturellen und geschichtsträchtigen Stätten vorweisen kann, gelingt es scheinbar nicht, die ausländischen Gäste in die Provinz zu locken. Offensichtlich ist, dass die Fremdenverkehrswerbung großteils nur über das Flaggschiff Prag läuft und dadurch die Regionen durch die Finger schauen und bei der ausländischen Kundschaft nicht ankommen, obwohl die Infrastruktur mittlerweile durchschnittliches europäische Niveau erreicht hat.
Ähnlich sieht es auch der Präsident des Verbandes für Handel und Tourismus der Tschechischen Republik (SOCR ČR), Tomáš Prouza, er wies laut ČTK auf das ungleiche Interesse an den einzelnen Regionen hin. "An manchen Regionen haben Touristen größeres Interesse, wie zum Beispiel an der Mährisch-Schlesischen Region, an anderen hingegen ist kaum Interesse vorhanden, wobei die Region Karlsbad weiterhin den letzten Platz einnimmt. Gleichzeitig gilt jedoch, dass Besucher sehr wohl an touristischen Angeboten oder sportlichen und kulturellen Erlebnissen interessiert sein würden, sie müssten es nur erfahren", erklärte er.
Fakt ist aber auch, dass Prag sich seiner tourististischen Kapazitätsgrenze nähert. Strebt Tschechien eine weitere Ausweitung des Tourismus an, müsste wohl die Fremdenverkehrswerbung reformiert und Tschechien als ganzes vermarktet werden.
Anzahl der Gäste in tschechischen Beherbungsbetrieben
| 2. Quartal 2024 | 2. Quartal 2025 | 2. Quartal 2026 | |
| inländische Touristen | 3.205.615 | 3.407.092 | 3.439.130 |
| ausländische Touristen | 2.775.619 | 2.938.120 | 2.935.481 |
| Gesamt | 5.981,234 | 6.345,212 | 6.374,611 |
Quelle: ČSÚ
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