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12 Mar
Tschechien: Vom hässlichen Entlein zum "Investitionsräuber"

Wer hätte 1990 gedacht, dass tschechische Finanzgruppen und Fonds sich zu den gefragtesten in Europas entwickeln würden und nun weltweit einen mehr als guten Ruf genießen. Früher musste man, um ein Unternehmen zu verkaufen, zu ausländischen Investoren "betteln" gehen, heute ist es umgekehrt. Mittlerweile fließen mehr Gelder in ausländische Unternehmen als Ausländer in Tschechien investieren. Das beschert Tschechien ein enormes Wachstum bei Fusionen und Übernahmen im Inland, dass im Gegensatz zum restlichen Mitteleuropa von einem lokalen Kapital von 80 Prozent dominiert wird. Dies berichtet das tschechische Wirtschaftsmagazin e15 unter Berufung auf Experten der Unternehmungsberatung KMPG.

Symbolbild: GettyImages

Der tschechische Markt verspürt  bei Fusionen und Übernahmen einen starken Aufwind, und die meisten Investoren kommen aus dem eigenen Land. "Ich kann mich nicht erinnern, jemals an so vielen Projekten gearbeitet zu haben wie derzeit", sagte Igor Mesenský, Partner im Bereich Deal Advisory bei der Unternehmensberatung KPMG gegenüber e15. Darüber hinaus sind tschechische Finanzgruppen und Fonds so stark gewachsen, dass sie auch im Ausland in großem Umfang Unternehmen aufkaufen. Das ist in Mitteleuropa einzigartig.

Die umfangreiche Privatisierung 1990 war der Schlüssel zur heutigen Entwicklung

Laut Mesenský hat  diese außergewöhnliche Entwicklung ihre Wurzeln in den 1990-er Jahren. Während beispielsweise im viel größeren Polen keine so umfassende Privatisierung möglich war, konnte sich dort auch keine so ausreichend starke Investorenbasis entwickelte, während "sich in unserem Land räuberische Finanzgruppen bildeten", die heute den Ton angeben, so Mesenský.

Unternehmen wie PPF, EPH, CSG oder KKCG genießen weltweiten Ruf und investieren in verschieden Branchen. "Tschechen werden im Ausland tatsächlich bereits als 'Investitionsräuber' wahrgenommen. Früher erhielten wir Aufträge von unseren ausländischen Niederlassungen, heute lagern wir Aufträge an sie aus. Ich glaube wir haben es einfach clever gemacht", ergänzte Mesenský. 

Der Transaktionsindex weist einen Rekordwert aus

Laut Daten des Beratungsunternehmens TPA Valuation & Advisory erreichte die Aktivität im dritten Quartal des vergangenen Jahres ihren Höhepunkt. Der Transaktionsindex verzeichnete einen Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sein Wert verneunzigfachte sich.

Deutschland könnte das nächste Ziel der tschechischen "Investitionsräuber" werden

Mesenský sieht in Deutschland einen neuen, bedeutenden Markt für tschechische Investoren. Seiner Ansicht nach findet man im Nachbarland ein wachsendes Volumen an sogenannten "notleidenden Vermögenswerten", also Unternehmen, die aufgrund der Konjunkturflaute unter Druck verkauft werden. Da der tschechische Bankensektor einen Rückgang der notleidenden Kredite verzeichnet und Zwangsverkäufe im Inland auf ein Minimum beschränkt sind, werden tschechische Fonds und Konzerne ihre freie Liquidität auf Rettungsverkäufe in Deutschland oder die Übernahme von Tochtergesellschaften angeschlagener deutscher Muttergesellschaften konzentrieren. 

Quelle: e15


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