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20 Oct
Betriebe hätten großes Problem bei Heimkehr ukrainischer Arbeitskräfte

Die Ukrainer stellen den mit Abstand größten Anteil an Gastarbeitern außerhalb der EU in Tschechien. 71 Prozent der Betriebe beschäftigen ukrainische Arbeitskräfte. Gefragt sind auch Arbeiter aus dem Nachbarland Slowakei, die von 54 Prozent der Unternehmen beschäftigt werden. 18 Prozent der Firmen setzten auf Polen. Filipinos sind in einem Zehntel der befragten Unternehmen beschäftigt, Russen in acht Prozent. Moldawier, Bulgaren und Kasachen folgen mit einem Anteil von fünf Prozent. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage der Personalagentur Hofmann Personal hervor. Die Umfrage brachte auch zu Tage, dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen nicht auf eine Abwanderung von Ukrainern vorbereitet wären.

Symbolbild: GettyImages

"Die Abwanderung ukrainischer Arbeitskräfte aus der Tschechischen Republik könnte den Arbeitsprozess in Unternehmen erschweren und würde die gesamte Wirtschaft belasten", erklärte Gabriela Hrbáčková, Geschäftsführerin von Hofmann Personal. In Tschechien arbeiten über 200.000 Personen aus der Ukraine, die vorübergehenden Flüchtlingsstatus genießen. Ihr möglicher Weggang nach Kriegsende würde ihrer Meinung nach für tschechische Arbeitgeber eine weitere personelle Herausforderung in einer Zeit bedeuten, in der sie bereits mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben. 

Der Großteil der ukrainischen Arbeitskräfte hat nur eine vorübergehende Arbeitserlaubnis

Nach Angaben von Eurostat hatten zum 31. August dieses Jahres rund 400.000 Menschen aus der Ukraine vorübergehenden Flüchtlingsstatus, davon befinden sich laut dem Länderbericht der Europäischen Kommission vom Juni 2026 etwa 66 Prozent der Personen aus der Ukraine in einem Beschäftigungsverhältnis. Die Hälfte von ihnen gab dabei an, dass ihre Arbeit nicht ihrer Qualifikation entspricht. 

Nur 12 Prozent der tschechischen Unternehmen sind auf einen eventuellen Abgang vorbereitet

"Die Debatte über die Zukunft der Ukrainer in Tschechien ist eine Herausforderung für die Unternehmen, die Betriebsabläufe sicherzustellen. Sollte nach Kriegsende ein erheblicher Teil der ukrainischen Arbeitskräfte das Land verlassen, müssten die Unternehmen Ersatz auf einem Arbeitsmarkt suchen, auf dem bereits heute Arbeitskräftemangel herrscht", warnte Hrbáčková. 

Die Hürden für die Erlangung eine längerfristigen Aufenthaltsgenehmigung für die Ukrainer sind hoch. Das Interesse ist mittelmäßig.

Bislang bereiten sich nur 12 Prozent der Arbeitgeber aktiv auf ein solches Szenario vor, merkte sie an. Die Tschechische Republik hat für einen Teil der Ukrainer mit Flüchtlingsstatus die Möglichkeit geschaffen, eine fünfjahrige Aufentshaltsgenehmigung mit freien Zugang zum tschechischen Arbeitsmarkt zu erlangen. Diese richtet sich vor allem an wirtschaftlich selbstständige Personen, die die festgelegten Bedingungen hinsichtlich Aufenthaltsdauer, Einkommen, Wohnraum, Krankenversicherung und weiterer Bereiche erfüllen. Im vergangenen Jahr bekundeten 81.900 Menschen Interesse an einer Aufenthaltsgenehmigung. Die Kriterien konnten aber nur 14.637 erfüllen. 

„Aus Sicht des tschechischen Arbeitsmarktes wird es entscheidend sein, ob Menschen, die bereits hier arbeiten, Familien haben und soziale Bindungen aufbauen und eine realistisch erreichbare Möglichkeit haben, legal hier zu bleiben. Sollten die Bedingungen für den Erhalt eines langfristigen Aufenthaltsstatus zu anspruchsvoll sein, könnte sich ein großer Teil der Arbeitskräfte dazu entschließen, in ein anderes europäisches Land zu ziehen, oder auf dem illegalen Arbeitsmarkt landen“, warnte Hrbáčková.

Das Risiko für Unternehmen ohne alternativen Lösungen ist hoch

"Die Abhängigkeit tschechischer Unternehmen von ausländischen Arbeitskräften ist an sich kein Problem, ein Risiko besteht jedoch in einer Situation, in der der Betrieb ohne alternative Lösung von deren Verfügbarkeit abhängt", sagte Ivana Brancuzká, Direktorin des Beratungsunternehmens Crowe, gegenüber der Nachrichtenagentur ČTK. 

An der Umfrage von Hofmann Personal nahmen über 300 Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern teil, die zusammen mehr als 230.000 Menschen beschäftigen, sowie tausend Befragte aus den Reihen der Arbeitnehmer aller Altersgruppen, Bildungsstufen und Berufe.


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