
Laut dem tschechischen Industrieminister Karel Havlíček (ANO) eröffnet sich durch den Bau von Mini-AKWs (SMRs) für einheimische Betriebe große wirtschaftliche Chancen. Dutzende bis Hunderte tschechischer Unternehmen könnten sich an der Entwicklung und dem Bau europaweit beteiligen. Bislang haben nach seinen Worten über 60 tschechische Unternehmen, beispielsweise aus den Bereichen Maschinenbau, Ingenieurwesen oder Projektplanung, Interesse bekundet. Dies gab Havlíček gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaftskammer (HK ČR) auf einer Pressekonferenz bekannt.

Innenansicht eines Mini-AKW
Bild: GettyImages
Der erste Reaktor wird im südböhmischen Temeín bereits vorbereitet. Laut Havlíček soll im Sommer ein Vertrag über den Start eines weiteren Projekts in Dětmarovice (Dittmarsdorf), Mährisch-Schlesien, unterzeichnet werden.
Der teilverstaatlichte Energiekonzern ČEZ plant in Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Rolls-Royce SMR, an dem die ČEZ-Gruppe mit einem Fünftel beteiligt ist, den Bau von kleinen modularen Reaktoren mit einer Gesamtleistung von bis zu drei Gigawatt. Der erste tschechische SMR soll laut dem Energiekonzern in der ersten Hälfte der 2030er Jahre auf dem Gelände des AKW Temelín entstehen. Das erste gemeinsame Projekt der beiden Unternehmen wird jedoch ein Reaktor am Standort des wallisischen AKW Wylfa sein.
Tschechien will die Vorreiterrolle in Europa übernehmen
Laut Havlíček könnte Tschechien dank der Zusammenarbeit der ČEZ-Gruppe mit Rolls-Royce eine Vorreiterrolle im Bereich modularer Reaktoren übernehmen. "Unsere Priorität ist es, dass tschechische Unternehmen zu einem festen Bestandteil der globalen Lieferkette dieser Technologie werden und die Chancen nutzen, welche die Entwicklung in Europa und weltweit mit sich bringt", so der Industrieminister.
In Tschechien sind nach den bereits erwähnten Standorten noch ein SMR in Tušimice (Tuschmitz, Region Aussig) und an weiteren noch nicht bekanntgegebene Standorten geplant. Bereits mehr als 60 Unternehmen haben ihr Interesse angemeldet "Wir möchten, dass die Unternehmen so früh wie möglich Informationen über die geplanten Ausschreibungen und die Anforderungen an die Lieferanten erhalten und sich rechtzeitig vorbereiten können", sagte die Vizepräsidentin der HK ČR, Zuzana Krejčiříková.
Der Wettbewerbsvorteil soll genutzt werden
Laut Josef Kotrba, dem Geschäftsführer des tschechischen Energieverbands (SEČR), hat die tschechische Industrie bei diesem Projekt einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil. "Es handelt sich um eine bedeutende Chance für tschechische Unternehmen, die über jahrzehntelange Erfahrung in der Kernenergie, im Maschinenbau sowie in der Herstellung von technologischen Anlagen und hochspezialisierten Komponenten verfügen. Es ist gut, dass wir nun in eine Phase eintreten, in der wir aus geschäftlicher Sicht über konkrete Bedingungen und Produkte sprechen, die für die Realisierung des SMR erforderlich sein werden", so Kotrba.
Modulare Reaktoren können in Fabriken serienmäßig hergestellt und nach und nach in einzelnen Blöcken an einem Standort konzentriert werden. Nach Ansicht von Experten für Kernenergie liefern sie zwar eine geringere Leistung im Vergleich zu, herkömmlichen AKWs, können allerdings schneller und einfachere gebaut werden. Der Betrieb hingegen ist ähnlich.
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