
Tschechien werde sich in der EU für die vollständige Aufhebung des Verbots des Verkaufs neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach 2035 einsetzen, sagte Premier Andrej Babiš (ANO) nach der jüngsten Kabinettssitzung. Die tschechische Regierung stellt sich damit gegen die aufgeweichte Neufassung des Verbrennerverbots der Europäischen Kommission vom Dezember 2025, wonach ab 2035 Verbrenner in einem Umfang verkauft werden dürfen, der einer 90%igen Reduktion des CO2-Ausstoßes gegenüber dem Jahr 2021 entspricht.

Bild: 123site/GettyImages
Die Kommission hat im vergangenen Dezember den Plan zum Verbot des Verkaufs von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in der Europäischen Union ab 2035 abgeschwächt. Der neue Vorschlag sieht vor, dass die CO2-Emissionen von Neuwagen gegenüber dem Niveau von 2021 um 90% gesenkt werden sollen, also nicht um 100%, wie ursprünglich geplant. Die restlichen 10% sollen die Hersteller durch ein Kreditsystem kompensieren, das auf der Verwendung von CO2-neutralen Kraftstoffen und grünem Stahl basiert.
Babiš hält den Schritt der Kommission jedoch für unzureichend. "Ein Schritt zur Seite oder eine Verlangsamung reicht uns nicht aus, wir bestehen darauf, dass dies aufgehoben wird", sagte er. "Wir halten es für inakzeptabel, dass jemand klassische Autos verbietet, die so viel in die Senkung von Emissionen und Verbrauch investiert haben", erklärte der Premier.
Er kritisierte auch die aktuelle Situation auf dem europäischen Automobilmarkt. "Wir sehen, wie Elektroautos chinesischer Herkunft europäische Autos verdrängen", so Babiš. In einer solchen Situation sei es seiner Meinung nach "nicht angebracht, auf eine weitere Stärkung der Elektromobilität auf Kosten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu drängen".
Laut Babiš wird Tschechien auch darauf hinwirken, dass auf dem bevorstehenden regulären EU-Gipfel die Emissionshandelssysteme EU-ETS 1 und EU-ETS 2 behandelt werden. Die Regierung strebt die Abschaffung des EU-ETS 2 an, das Emissionszertifikate für den Verkehr und die Beheizung von Haushalten einführt.
Laut dem neuen Umweltminister Igor Červený (Motoristen) habe seine Partei den Klimawandel nie in Frage gestellt, lehnen es jedoch ab, ihn als "Krise" zu bezeichnen. Seiner Meinung nach wirkt sich "die sogenannte Klimakrise negativ auf die psychische Gesundheit der Generationen Z und Alpha" aus. Er setzt auf interministerielle Zusammenarbeit und möchte Tschechien "rational" auf den Klimawandel vorbereiten.
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