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06 Oct
Frankfurter Buchmesse: Pfiffe für tschechischen Kulturminister

Die Tschechische Republik ist das offizielle Gastland der Frankfurter Buchmesse 2026. Dieser Umstand ermöglicht der deutschsprachigen Bevölkerung einen Einblick in die Gegenwartsliteratur, aber auch in die aktuelle Kulturpolitik des immer noch recht unbekannten Nachbarlandes. Am Eröffnungstag kam es zu einer rhetorischen Konfrontation zwischen dem Kulturminister Oto Klempíř von den Motoristen und den Kulturschaffenden Tschechiens, vertreten durch die international bekannte Autorin und Publizistin Radka Denemarková.

Kulturminister Oto Klempíř

Bild: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacqemin

"Die Frage von heute ist ganz einfach: offene Demokratie oder geschlossene Gesellschaft. Die Literatur kennt die Antwort, deshalb ist sie so gefährlich", sagte Denemarková in ihrer Rede. "Wie soll ich Politik und Literatur trennen in einer Zeit, in der Europa braun wird?", fügte sie hinzu. Ihrer Meinung nach reduziert sich Demokratie derzeit auf "Geschäft und wirtschaftlichen Pragmatismus".

Die Schriftstellerin, die sich in ihrer Arbeit mit den Diktaturen der Gegenwart befasst und in China zur "unerwünschten Person" erklärt worden ist, meinte zudem: "Kulturminister, die Kultur und Literatur zerstören, kommen und gehen, Kultur und Literatur aber bleiben". Sie sprach kurz nach den Reden des tschechischen Kulturministers Ota Klempíř und des deutschen Staatsministers für Kultur und Medien, Wolfram Weimer. Klempířs Eröffnungsworte wurde von kritischen Rufen, Buhrufen und Pfiffen unterbrochen. Auf seine Rede folgten neben verhaltenem Applaus auch Pfiffe und Buhrufe. Klempíř erinnerte dabei unter anderem an die Rolle Deutschlands bei der Unterstützung tschechoslowakischer Schriftsteller im Inland und im Exil während der Zeit der kommunistischen Diktatur.

Der Minister erklärte später im Netzwerk X, dass es zahlreiche positive Reaktionen auf die tschechische Präsentation gebe. "In meiner Rede habe ich über die Botschaft der Literatur gesprochen und auch über die Gefahr einer Welt, in der Emotionen den Sinn für Demokratie übertönen. Literatur soll meiner Meinung nach unter anderem Raum für unterschiedliche Meinungen, Kritik und Dialog schaffen", postete Klempíř. "Sie würdigen die Arbeit des Kulturministeriums und der Mährischen Landesbibliothek, unsere Ausstellung sowie die Art und Weise, wie wir diese bedeutende Veranstaltung angegangen sind", merkte Klempíř an. "Ich freue mich, dass der Staat in diese Veranstaltung investiert und den Schriftstellern großzügige Unterstützung gewährt hat, damit sie hierherkommen und ihr Werk präsentieren konnten", fügte er hinzu.

Denemarková hingegen erntete für ihre Kritik an den Kulturministern Beifall. In ihrer Rede kritisierte sie, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der kommunistischen Staatssicherheit (StB) in der tschechischen Regierung sitze.

Klempíř gab vor Jahren gegenüber der Zeitschrift Reflex zu, dass er eine Kooperationsvereinbarung mit der kommunistischen Geheimpolizei unterzeichnet hatte, die ihn in den Jahren 1984–1985 unter dem Decknamen "Olda" registriert hatte. Nach anderthalb Jahren gelang es ihm, diese Zusammenarbeit zu beenden. Laut Unterlagen des slowakischen Instituts für das Gedächtnis der Nation war Premier Andrej Babiš (ANO) seit 1982 Agent der kommunistischen StB. Babiš bestreitet dies jedoch und wandte sich deswegen zuvor an die slowakische Justiz. Das dortige Innenministerium gab im Oktober vorletzten Jahres bekannt, dass es mit Babiš einen Vergleich in dieser Angelegenheit geschlossen habe, der anschließend vom Gericht bestätigt wurde.

Tschechischer Auftritt in Frankfurt als Motor für Literaturübersetzungen

Tschechische Literatur wird im deutschsprachigen Raum immer bekannter und beliebter. Die Möglichkeit, auf der bedeutendsten Buchmesse des Zielmarktes im Rampenlicht zu stehen, hat zu einer Vielzahl von deutschsprachigen Übersetzungen geführt. "Das Hauptziel des Gastspiels der Tschechischen Republik auf der Frankfurter Buchmesse ist die umfassende Förderung der Präsentation und des Exports tschechischer Literatur ins Ausland. Von dessen Erfolg zeugt die aktuelle Zahl der Übersetzungen ins Deutsche, die in den Jahren 2024 bis 2026 insgesamt auf mehr als 180 tschechische Buchtitel gestiegen ist", erklären die Vertreter des Projekts.

Auf der Messe gibt es auch Raum für Verhandlungen über Rechte für Übersetzungen. Interessierte können auch über Rechte aus den Bereichen Musik und Film verhandeln.


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