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16 Jul
Tschechien ist neben Deutschland die Sparnation Nummer Eins in Europa

Die tschechische Bevölkerung hat 2020 das Sparen entdeckt. Mit einer Sparquote von 20 Prozent liegen die Tschechen klar über den europäischen Durchschnitt von 13,5 Prozent. Bezeichnend ist, dass vor dem Jahre 2020 die Sparquote in Tschechien bei 12 Prozent lag, also es in nur 6 Jahren fast zu einer Verdopplung kam. Vít Hradil, Ökonom und Analyst der Investmentgesellschaft Investika hat die Gründe des Sparbooms im tschechischen Wirtschaftsmagazin e15 analysiert.

Symbolbild: Getty Images

Für Hradil ist es klar, dass während der Pandemie die Rücklagen steigen, da die Menschen kaum Geld ausgeben konnten. Zusätzlich stieg in der Zeit die Existenzangst. Geld auf den Konten anzuhäufen, erschien daher logisch. Weniger logisch erscheint ihm jedoch, dass die Quote bis heute konstant geblieben ist und nicht auf das Niveau von vor 2020 zurückgegangen ist.

Tschechen sparen, aber wenig sinnvoll

"Ganz gleich, welche Beweggründe die Tschechen zum Sparen haben mögen - es wäre ratsam, dass sie sinnvoll sparen. Und hier liegt das Problem. Denn die Tschechen sparen nach wie vor unverhältnismäßig oft auf eine Weise, die langfristige reale Ersparnisse eher schmälert, als dass sie diese generiert", mahnte Hradil.

42 Prozent der Vermögenswerte auf dem Bankkonto

Als Beispiel führte er an, dass der Europäer im Durchschnitt nur etwa 31 Prozent seiner finanziellen Vermögenswerte auf einem Bankkonto hält, der Tscheche aber satte 42 Prozent. "Auf dem Bankkonto sollte man nur so viel Geld halten, wie man realistischerweise in naher Zukunft für Dinge wie alltägliche Einkäufe, das Bezahlen von Rechnungen oder eine unerwartete Reparatur einer kaputten Waschmaschine benötigen könnte. Dazu kann man sicherheitshalber eine Reserve für den Fall eines kurzfristigen Einkommensausfalls hinzufügen. Das gesamte übrige Geld sollte man dort anlegen, wo es eine höhere Rendite abwirft", so der Ökonom.

Die politische Vergangenheit hat noch immer Auswirkungen auf den konservativen Umgang mit Geld

Für seine Begriffe gehen die Tschechen sehr konservativ mit ihrem Geld um. Er sieht die Ursache auch in der politischen Vergangenheit. "Ein Merkmal, das Tschechien mit anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks gemeinsam haben. Im Vergleich zu den westlichen Staaten neigen wir viel stärker zur Sicherheit von Bankeinlagen als zu mutigeren Investitionen", erklärte Hradil.

Seiner Meinung nach haben die Kommunisten und die "Kriminellen" der 1990er-Jahre die Tschechen gleich doppelt um ihren Wohlstand gebracht. Zunächst durch den direkten wirtschaftlichen Schaden, den sie angerichtet haben, und dann dadurch, dass sie der Bevölkerung falsche finanzielle Gewohnheiten eingeimpft haben. Was vielleicht sogar noch schlimmer sei, meinte Hradil. 

Quelle: e15


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