
Der tschechische Arbeitsmarkt stößt an seine demografische Grenzen. Die Menschen in Tschechien wissen aber nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen. Einerseits ist ihnen bewusst, dass zusätzliche Arbeitskräfte unumgänglich sind, anderseits wollen sie aber auch nicht, dass ausländische Arbeitskräfte angeworben werden. Sie befürchten, dass die Beschäftigung von Ausländern ihr eigenes Lohnniveau drücken könnte und stehen der Zusammenarbeit skeptisch gegenüber. Dies ergab eine Umfrage unter 506 Personen die von der Agentur STEM/MARK im Auftrag des Personaldienstleisters Orienta Czech durchgeführt wurde.

Symbolbild: GettyImages
Zwei Drittel der Befragten gaben an, bei der Beschäftigung von Ausländern, die Herausforderungen im Zusammenhang mit deren Integration in das Arbeitskollektiv und die Gesellschaft das Hauptproblem zu sehen. Die höheren Anforderungen an die Bereiche Wohnen, Gesundheitswesen oder Bildungswesen stellen für die Menschen in Tschechien kein nennenswertes Problem dar. 57 Prozent der Interviewpartner befürchten jedoch einen steigenden Druck auf die Löhne.
Wunschdenken und realitätsfremde Einschätzumgen
Der häufigste Arbeitskräftemangel wird im Gesundheits- und Sozialwesen, im Baugewerbe, in der Landwirtschaft und im Bildungswesen wahrgenommen. Fast die Hälfte der Befragten wäre dafür, Lösungen vor allem auf dem tschechischen Arbeitsmarkt zu suchen. Am häufigsten geben die Menschen an, dass höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen dazu beitragen könnten, den Arbeitskräftemangel zu beheben.
"Höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und Umschulungen sind wichtig. Allein dadurch lassen sich jedoch keine neuen Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt schaffen. Der tschechische Arbeitsmarkt stößt an eine demografische Grenze, und diese lässt sich nicht mit einer einzigen Maßnahme überwinden", kommentierte Tomáš Surka von Orienta Czech die Situation.
"Zuwenig Aufklärung über den Nutzen einer gesteuerten Arbeitsmigration"
Nach Angaben des Unternehmens zeigt die Umfrage keine Ablehnung ausländischer Arbeitskräfte, sondern die Forderung nach einem kontrollierten und professionell ausgestalteten System. "Die Bedenken der Öffentlichkeit müssen ernst genommen werden. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig zu erklären, dass Arbeitsmigration kein unkontrollierter Prozess ist. Was jedoch fehlt, sind größere Investitionen in die Aufklärung über den Nutzen einer gesteuerten Arbeitsmigration und in die Entmystifizierung des Themas", erklärte Surka.
Junge Menschen stehen der Aufnahme von Arbeitskräften aus dem Ausland nicht automatisch offener gegenüber als die ältere Generation. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gaben 51 Prozent der Befragten an, dass die Tschechische Republik ohne ausländische Arbeitskräfte nicht auskommt. Bei den über 60-Jährigen waren es rund 73 Prozent.
KI kann es auch nicht richten
Die Mehrheit der Befragten waren sich einig, dass Automatisierung und KI Unternehmen zwar helfen können, in vielen Berufen die menschliche Arbeit jedoch nicht vollständig ersetzen werden. Laut Surka werden KI und neue Technologien für den Arbeitsmarkt wichtig sein, aber im nächsten Jahrzehnt den Arbeitskräftemangel nur in einem begrenzten Teil der Berufe beheben.
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