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20 May
Václav-Havel-Bibliothek in Turbulenzen

Die Václav-Havel-Bibliothek ist in Gefahr - wichtige Mitarbeiter und Sponsoren verlassen die Einrichtung. Grund dafür sind Konflikte mit der Leitung der Institution, darunter auch mit dem Direktor Tomáš Sedláček. Die Bibliothek besteht seit 22 Jahren, verwaltet das Vermächtnis und Werk von Václav Havel, veröffentlicht Publikationen und organisiert Veranstaltungen für die Öffentlichkeit. Für die Öffentlichkeit ist sie weiterhin geöffnet. Vorerst. Denn alle 17 Mitarbeiter der Bibliothek wollen kündigen, darunter auch der Dramaturg Jáchym Topol.

Bild: Knihovna Václava Havla

"Der Grund für meine Kündigung ist vor allem die verwirrende und chaotische Führung von Tomáš Sedláček, der beschlossen hat, Václav Havel als eine Art Verkaufsartikel zu vermarkten“, erklärte Topol seine Beweggründe. "Sedláček hätte es am liebsten gesehen, wenn sich die Bibliothek beispielsweise nur durch den Verkauf von Stiften oder Kleidung mit Václav Havel finanzieren könnte - und nicht durch die Zusammenarbeit mit zahlungskräftigen Partnern, was meine Vision wäre", fügte er hinzu.

Der Verwaltungsrat der Bibliothek konnte die Abberufung von Direktor Sedláček nicht durchsetzen, so traten bis auf ein Mitglied alle von Verwaltungsratmitglieder zurück. Die Witwe von Präsident Václav Havel, Dagmar Havlová, die gemeinsam mit Karel Schwarzenberg, Zdeněk Bakala und Miroslav Petrusek Mitbegründerin der Bibliothek ist, erklärte, dass sie Sedláček als Gelehrten und Visionär schätze. "Eventuelle interne Angelegenheiten und die Leitung der Václav-Havel-Bibliothek hätten in erster Linie vom Verwaltungsrat unter der Leitung seines Vorsitzenden geregelt werden müssen, da dieser ihn in sein Amt berufen hatte. Ich wundere mich, dass sie nun, anstatt nach einer Lösung zu suchen, zurücktreten", erklärte die frühere First Lady.

Wichtige Sponsoren erklärten das Ende der Unterstützung

Auch wichtige Förderer ziehen sich zurück, darunter der Hauptsponsor, die Bakala Foundation. Diese unterstützt die Bibliothek jährlich mit zehn Millionen Kronen (412.000 Euro). Laut dem Direktor der Stiftung, Václav Pecha, kam es zu einer Meinungsverschiedenheit mit der Bibliothek hinsichtlich der Art und Weise, wie diese geführt wird. "Die grundlegenden Vereinbarungen und Prinzipien werden derzeit nicht mehr eingehalten", sagte Pecha.

Auch die Karel-Komárek-Familienstiftung subventioniert die Bibliothek mit zwei Millionen Kronen (83.000 Euro) pro Jahr. Auch sie erwägt, die Unterstützung ab dem nächsten Jahr einzustellen. "Der Grund dafür ist, dass die Vision der Gründerin nicht mit der programmatischen Ausrichtung der Karel-Komárek-Familienstiftung vereinbar war", sagte deren Sprecher Lukáš Pfauser.

Bestand bis Jahresende gesichert

"Wir werden jetzt ein neues Team zusammenstellen, ich habe bereits neue Finanzmittel gesichert", kündigte Sedláček an. Die derzeitigen 17 Mitarbeiter kündigen jedoch nach und nach. Alle wollen die Saison - bis Juni - zu Ende bringen. Die bisherigen Förderer beabsichtigen, ihre Verpflichtungen zu erfüllen und die Bibliothek bis zum Jahresende zu unterstützen. Auch deswegen, damit sie im Oktober die Feierlichkeiten zu Václav Havels 90. Geburtstag nicht gefährden.


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