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14 Sep
Deutsche Wirtschaftskrise blockiert tschechische Konjunkturentwicklung

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland verlangsamt die Erholung der tschechischen Wirtschaft. Darin sind sich die von der ČTK befragten Analysten einig. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Konjunkturprognose für dieses Jahr nach unten korrigiert und erwartet einen Rückgang von 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Bild: Pixabay

"Es gibt kein Land in ganz Europa, das so eng mit der deutschen Wirtschaft verbunden ist wie die Tschechische Republik", sagte Pavel Sobíšek, Analyst der UniCredit Bank. Internationalen Statistiken zu folge macht die deutsche Wirtschaft neun Prozent des BIP der Tschechischen Republik aus. Wenn also die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,5 Prozent schrumpft, während ursprünglich mit einer Stagnation gerechnet wurde, dürfte dies die tschechische Wirtschaftsleistung um 0,05 Prozent schmälern, errechnete Sobíšek.

Autoindustrie bremst den Konjukturaufschwung

"Die sich verschlechternden Aussichten für die deutsche Wirtschaft und die erneuten Probleme in den Lieferketten der Automobilindustrie stellen weitere Hindernisse für die Erholung der tschechischen Wirtschaft nach einer Reihe negativer Schocks in den letzten drei Jahren dar", sagte Deloitte-Analyst David Marek gegenüber der ČTK. 

"Die Wahrscheinlichkeit, dass das BIP in diesem Jahr schrumpfen wird, steigt damit weiter an. Die Tschechische Republik und Deutschland sind wirtschaftlich eng miteinander verbunden, so dass die Probleme des westlichen Nachbarn auf die tschechische Wirtschaft übergreifen. Die beiden Länder haben zurzeit mit der schlechtesten wirtschaftliche Entwicklung seit der Pandemie zu kämpfen", fügte Marek hinzu.

"Die Prognose, dass das deutsche BIP in diesem Jahr für das Gesamtjahr sinken wird, ist keine Neuigkeit, und wir haben dies bei unseren Berechnungen, bezüglich der Zukunftsaussichten für die tschechische Wirtschaft, berücksichtigt", sagte Radomír Jáč, Analyst bei Generali Investments. Er erwartet, dass sich das tschechische BIP in der zweiten Jahreshälfte trotz der Situation in Deutschland beschleunigen wird. Die treibende Kraft dürfte seiner Meinung nach der Konsum der privaten Haushalte sein, der sich dank der sinkenden Inflation erholen sollte.

Die düsteren Wirtschaftsprognosen aus Deutschland sind nach Ansicht des Cyrrus-Analysten Vít Hradil ein weiteres Mosaiksteinchen in dem bereits bekannten Bild. Seiner Meinung nach wird die zweite Jahreshälfte für die Industrie weiterhin eine schwache sein, so dass die tschechische Wirtschaft in diesem Jahr stagnieren wird.

"Die Probleme der deutschen und tschechischen Wirtschaft haben die gleichen Symptome"

Helena Horská, Analystin bei der Raiffeisenbank, erinnerte unlängst an die negativen Auswirkungen der Entwicklung der deutschen Wirtschaft auf die Tschechische Republik, die als einzige in der Eurozone in diesem Jahr in eine Rezession geraten dürfte. Ihrer Meinung nach haben die Probleme der deutschen Wirtschaft die gleichen Symptome wie die in der Tschechischen Republik: übermäßige Bürokratie, Versäumnisse bei der Verkehrs- und Energieinfrastruktur, geringe Investitionen in Wissenschaft und Forschung, hohe Energiepreise und ein großer Anteil der Automobilindustrie, die zyklisch ist.

Auch die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen wird: Das Ifo-Institut rechnet mit einem Rückgang um 0,4 Prozent, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) mit 0,5 Prozent.

Quelle: ČTK


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