
Während Polen die Einreise eines qualifizierten Arbeitnehmers beispielsweise aus den Philippinen in etwa zwei Monaten abwickelt und Deutschland seit Januar 2025 Visumanträge vollständig online entgegennimmt, dauert der gesamte Prozess in Tschechien etwa ein halbes Jahr. Zwischen den Behörden und der Botschaft werden nach wie vor Papierdokumente hin- und hergeschickt, die per Post versandt werden. Auch in der Slowakei und in Ungarn geht es schneller. Aus diesem Grund warten 15 Prozent der besten Kandidaten nicht auf die Tschechische Republik, sondern nehmen Angebote aus anderen Ländern an. Konkurrenz für Tschechien sind nicht nur die EU-Staaten, sondern auch Südkorea, Japan und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Symbolbild: GettyImages
Das geplante Digitalisierungsprogramm wird erst ab 2027 wirklich funktionieren und löst nicht das größte Problem, nämlich dass ein Arbeitnehmer in Tschechien seine Arbeit erst aufnehmen darf, wenn wirklich alle Dokumente vollständig bearbeitet sind. In anderen Ländern hingegen reicht es aus, eine einzige Genehmigung zu beantragen, und die restlichen Unterlagen werden erst geklärt, wenn die Person bereits im Arbeitsprozess ist. Andere Länder sind somit weiterhin voraus, und Tschechien wird für die besten Arbeitskräfte nicht wettbewerbsfähig sein.
Ein halbes Jahr Wartezeit und Unterlagen in Umschlägen bei der Post
Tschechien hat die Philippinen als strategisches Herkunftsland für qualifizierte Arbeitskräfte ausgewählt, und im Rahmen des Regierungsprogramms "Qualifizierte Arbeitskräfte" ist für sie eine jährliche Quote von 10.300 Plätzen vorgesehen. Diese Quote wird jedoch nicht ausgeschöpft, was vor allem auf den langsamen, nicht digitalisierten Prozess zurückzuführen ist. Von der Auswahl eines Bewerbers bis zu seinem Arbeitsantritt in einem tschechischen Unternehmen vergehen etwa sechs Monate. Einen Großteil dieser Zeit nimmt dabei die physische Übergabe von Papierdokumenten zwischen Unternehmen, Behörden und der diplomatischen Vertretung in Anspruch.
"Paradoxerweise sind die Philippinen heute digitaler als Tschechien. Trotzdem wandern zwischen unserem Büro und der Botschaft immer noch Papierdokumente hin und her. Der gesamte Prozess dauert somit ein halbes Jahr, und ein erstklassiger Schweißer oder Elektriker, um den sich die ganze Welt reißt, wird nicht so lange warten. Er wird sagen: 'Entschuldigung, ich muss Geld verdienen, ich gehe woanders hin'", meinte Jana Míčková Sladká, Gründerin des Unternehmens GrapeCare.
Tschechien verliert 15 Prozent an Arbeitskräften
Die Philippiner sind heute die am schnellsten wachsende Ausländergemeinschaft in Tschechien. Von etwa 600 Personen im Jahr 2015 ist ihre Zahl nach aktuellen Angaben der Philippinischen Botschaft auf über 16.000 gestiegen. Sie arbeiten vor allem im Maschinenbau als Schweißer, CNC-Bediener und Elektriker, außerdem in der Logistik, im Bauwesen und seit kurzem auch in der Altenpflege und im Gesundheitswesen.
Die Philippinos retten die tschechische Rüstungsindustrie
Das Interesse der Unternehmen an philippinischen Arbeitskräften nimmt dabei in allen Branchen zu. Die Nachfrage im Gastgewerbe und im Sozialwesen steigt, und seit kurzem wächst sie auch im Baugewerbe dramatisch an. Die meisten philippinischen Arbeitskräfte sind nach wie vor im Maschinenbau tätig. Gerade hier findet derzeit ein Generationswechsel statt. Erfahrene und qualifizierte Fachkräfte scheiden aus, und auf dem Markt gibt es kaum jemanden, der sie ersetzen könnte. Am stärksten ist dies in der Rüstungsindustrie zu spüren.
"Angesichts der steigenden Nachfrage und des gleichzeitig stattfindenden Generationswechsels wird es für Unternehmen immer schwieriger, erfahrene Mitarbeiter zu finden. Die Philippiner haben sich nicht nur durch ihre Fähigkeit, sich schnell und problemlos zu integrieren, sondern auch durch ihren Fleiß und ihre Zuverlässigkeit bewährt. Für viele Unternehmen ist die Arbeitskraft aus den Philippinen unersetzlich", sagte Míčková Sladká.
Das geplante Digitalisierungsprogramm wird den Verlust nicht ausgleichen können
Die Nachbarländer haben in den letzten zwei Jahren die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland deutlich beschleunigt und digitalisiert. Polen nimmt seit dem 1. Juni 2025 Anträge auf Arbeitserlaubnis ausschließlich elektronisch entgegen, und Anträge in Papierform werden von den Behörden gar nicht mehr bearbeitet. Nach den Erfahrungen von GrapeCare wickelt Polen den gesamten Prozess in etwa zwei bis drei Monaten ab, also etwa dreimal schneller als Tschechien.
Deutschland wiederum hat am 1. Januar 2025 das zentrale "Consular Services Portal" in Betrieb genommen, über das bei allen 167 Auslandsvertretungen online 28 Kategorien von nationalen Visa, einschließlich Arbeitsvisa, beantragt werden können; bei den Pilotvertretungen hat sich die Bearbeitungszeit von 66 auf 27 Tage verkürzt. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Slowakei und Ungarn einen schnelleren Arbeitsantritt ermöglichen, da beispielsweise ein Philippino bereits mit der Arbeit beginnen kann und ein Teil der Unterlagen erst im Aufnahmeland fertiggestellt wird. In Tschechien hingegen muss man warten, bis alles erledigt ist, und erst danach darf man die Arbeit aufnehmen.
"Das ICAS-Digitalisierungssystem ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber wir sollten uns keine Illusionen machen, dass wir damit unsere Nachbarn einholen werden. Es startet mit einer mehrjährigen Verzögerung gegenüber Polen und Deutschland, und eine echte Beschleunigung wird frühestens im Jahr 2027 eintreten. Dann werden die anderen schon wieder einen Schritt weiter sein. Und vor allem wird die Digitalisierung allein nicht das Problem lösen, dass ein Arbeitnehmer bei uns erst dann seine Arbeit aufnehmen darf, wenn wirklich alles erledigt ist. Ohne diese Änderung werden wir weiterhin die Letzten in der Reihe sein", ergänzte Míčková Sladká.
Quelle: GrapeCare
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