
Nach vorläufigen Angaben des Landwirtschaftsverbandes der Tschechischen Republik (ZS ČR) hat sich der Nettogewinn der landwirtschaftlichen Betriebe in der Tschechischen Republik 2025 gegenüber dem Vorjahr auf 9,7 Milliarden Kronen (400 Mio. Euro) mehr als verdoppelt. Hinter dem guten Ergebnis stand vor allem der Preisanstieg bei tierischen Rohstoffen, weitere Gründe sind günstigere Energiepreise und geringere Investitionsausgaben. Dies geht aus einer internen Umfrage des Landwirtschaftsverbands hervor, deren Ergebnisse vom Vorsitzenden des ZS ČR, Martin Pýcha, bekannt gegeben wurden.

illustrationsbild: GettyImages
Trotz des mehr als doppelt so hohen Wachstums war der Gewinn des letzten Jahres laut Pýcha real gesehen unterdurchschnittlich. Der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Betriebe beträgt seit dem Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union im Jahr 2004 bis zum Ende des Vorjahrs 10,4 Milliarden Kronen (430 Mio. Euro). Umgerechnet pro Hektar verdienten die Landwirte im vergangenen Jahr 2779 Kronen (114,60 Euro), im Jahr 2024 waren es magere 1295 Kronen (53,40 Euro). Der Anteil der Betriebe, deren Wirtschaftsergebnis bei Null oder defizitär war, sank im vergangenen Jahr auf etwa 32 von 40 Prozent des Vorjahres.
"Die fünf großen Handelsketten verdienen in einem Jahr mehr als alle Landwirte zusammen"
"Wir freuen uns, dass es unserer Branche im letzten Jahr besser ging, aber für die überwiegende Mehrheit der Unternehmen ist es weiterhin eher ein jährlicher Kampf ums Überleben, als der große Wohlstand. Langfristig gehören wir zu den am wenigsten profitablen Wirtschaftszweigen. So verdienen beispielsweise die fünf größten Handelsketten in einem Jahr mehr als alle Landwirte zusammen", erklärte Pýcha. Er wies auch darauf hin, dass der Gewinn im vorletzten Jahr der schlechteste seit dem Beitritt der Tschechischen Republik zur EU war. Ein großer Teil des Gewinns wird seiner Meinung nach durch Nebentätigkeiten erzielt, im letzten Jahr war es mehr als die Hälfte. Zu diesen Tätigkeiten gehört beispielsweise die Energieerzeugung in Biogasanlagen.
"Angesichts der Tatsache, dass jährlich etwa 30 bis 40 Milliarden Kronen (1,24 bis 1,65 Mrd. Euro, Anm.) an Subventionen in den gesamten Sektor fließen, ist ein Gewinn von etwa zehn Milliarden Kronen (410 Mio. Euro, Anm.) nicht besonders gut", sagte Landwirtschaftsminister Martin Šebestyán (parteifrei und von der SPD nominiert) gegenüber der Nachrichtenagentur ČTK. Die Entwicklung im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass es wichtig sei, die Einnahmen auf mehrere unternehmerische Aktivitäten zu verteilen.
Fleischproduktion wird wieder geringfügig rentabel
Der Agraranalyst Petr Havel hingegen bezeichnete das Ergebnis des Sektors im vergangenen Jahr als gut. "Die Fleischroduktion war für die Landwirte lange Zeit ein Verlustgeschäft, aber letztes Jahr konnten sie ein wenig daran verdienen", sagte Havel gegenüber der ČTK. Laut Havel gab es viele Faktoren, die zum Preisanstieg bei Fleischproduktion geführt haben, darunter höhere Kosten, ein Rückgang des Viehbestands und eine höhere Nachfrage nach tierischen Produkten. In neuen Jahr werden die Preise jedoch nicht mehr steigen, sondern sinken, fügte Havel hinzu. Er wies auch auf die Abhängigkeit des Sektors von Subventionen hin. "Daher sollte mehr als bisher in die Steigerung der Wertschöpfung in der Landwirtschaft investiert werden", sagte er.
Kartoffel wurden um 23 Prozent billiger
So stieg im vergangenen Jahr beispielsweise der Preis für Schlachtrinder im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent. Der Milchpreis stieg um rund 17 Prozent und Hühner wurden laut dem Verband um fünf Prozent teurer. Im Gegensatz dazu sanken die Preise für pflanzliche Rohstoffe oder stagnierten, wobei die größten Einbußen die Landwirte bei Kartoffeln verzeichneten, die um 23 Prozent billiger wurden und bei der Gerste die um acht Prozent sank. Der Preis für Lebensmittelweizen stieg dagegen um sechs Prozent, dennoch ist der Ertrag der Landwirte laut dem Verband um 40 Prozent geringer als vor drei Jahren.
Werbung/Inzerce

Deutschsprachige News aus Tschechien alle 14 Tage kostenlos in Ihrer Mailbox!