
Geschichte ist keine trockene Angelegenheit, schon gar nicht in der Tschechischen Republik, deren Bewohner Bier als flüssiges Kulturgut erachten, das den Status eines Nationalgetränks genießt.

Das in der Bibliothek der Provinz erschienene Buch ist daher vor allem für jene geschrieben, die Genuss beim Biertrinken empfinden und Interesse an der Kulturgeschichte der Böhmischen Länder haben.
In keinem anderen Staat trinken die Bewohner so oft und so viel Bier. Zahlreiche Mythen ranken sich um das Getränk, wie insbesondere die Erzählung von der Entstehung des untergärigen Lagerbiers im Bürgerlichen Brauhaus von Pilsen. Während der Zeit des Nationalitätenkonflikts gewann der Mythos weiter an Bedeutung und spätestens mit der Erringung der staatlichen Souveränität avancierte das Bier zum tschechischen Nationalgetränk schlechthin.
Das Buch gibt Einblick in landestypische Produktionsabläufe und kulturhistorische Hintergründe, ohne die der überragende Erfolg des tschechischen Biers nicht denkbar ist. Rund um das Getränk wurden politische Debatten geführt, es beflügelte die national-patriotischen Kräfte und inspirierte Literaten und Schriftsteller wie Jan Neruda, Jaroslav Hašek, Bohumil Hrabal und Vacláv Havel. Werbeschaffende stellten Bedřich Smetana als Künstler dar, der sich von dem auf einem Bierglas abperlenden Tropfen zur Komposition der Nationalhymne "Mein Vaterland" anregen ließ. Im tschechischen Spielfilm wird Bier gerne als Katalysator für Geselligkeit inszeniert, wofür man bevorzugt auf die Kulissen von Brauereien und das Milieu in Gaststätten zurückgreift.
Winfried Dimmel/Gerhard A. Stadler: "Pivo - Mythos tschechisches Bier". Weitra (Bibliothek der Provinz) 2026.
ISBN: 978-3-99126-407-1
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