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19 Sep

Das informelle Treffen der EU-Agrarminister in Prag, bei dem es unter anderem um die Gewährleistung der Ernährungssicherheit für die EU-Bürger ging, ist einer der Gründe dafür, dass die Vertreter der industriellen Landwirtschaft eine weitere Protestaktion angekündigt haben. Die Proteste richten sich nicht nur gegen die nationale, sondern auch gegen die europäische Agrarpolitik.

Bild: 123site/Pixabay

Die Wut der Agrarier hat mehrere Gründen, einer der Hauptgründe ist der Anstieg der Energiepreise und die Tatsache, dass Tschechien im Gegensatz zu vielen anderen EU-Mitgliedstaaten sehr stark von russischen Gaslieferungen abhängig ist.

Da es vonseiten der tschechischen Regierung noch keine Unterstützung für die Lebensmittelhersteller gibt, werden sie dazu gezwungen, die Mehrkosten an die Endverbraucher weiterzugeben. Darüber hinaus hat sich der Krieg in der Ukraine nicht nur auf die Energiekosten ausgewirkt, sondern zum Beispiel auch auf die Preise für Düngemittel, was wiederum höhere Kosten für die landwirtschaftliche Produktion bedeutete (und bedeutet). Auch in diesem Fall ist Tschechien stark von Lieferungen aus Russland, der Ukraine oder Belarus abhängig.

Das allein ist es aber nicht, denn auch die hohe Mehrwertsteuer, die in der Tschechischen Republik mit 15 Prozent die höchste in der mitteleuropäischen Region ist, während sie in den Nachbarländern viel niedriger ist (fünf Prozent in Polen, sieben Prozent in Deutschland und zehn Prozent in Österreich), treibt die Preise in die Höhe. In Tschechien gibt es keine Preisregulierung, wie beispielsweise in Polen, wo die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vorübergehend auf Null gesenkt wurde. 

Anstieg der Lebensmittelpreise wurde bereits seit mehreren Jahren erwartet

Ein deutlichen Anstieg der Lebensmittelpreise war allerdings seit mehreren Jahren bereits erwartet worden. Langfristigen Daten des Europäischen Statistischen Amtes (Eurostat) zufolge sind die Lebensmittelpreise in der Tschechischen Republik seit vielen Jahren die sechstniedrigsten in der EU, auch deshalb, weil in der Vergangenheit die tschechischen Verbraucher sehr sensibel auf höhere Preise reagierten. 

Aufgrund der relativ niedrigen Basis für die Lebensmittelpreise, war es gewissermaßen nur eine Frage der Zeit, bis die Preise "aus dem Ruder laufen" würden. Dazu trug auch die Tatsache bei, das durch die Einschränkung der Transportmöglichkeiten in der Covid-Ära auch die ausländische Konkurrenz weniger war, was in vielen Fällen als Bremse für die inländischen Lebensmittelpreise wirkte. Außerdem ist der Markt im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ klein und erlaubt es nicht, die steigenden Kosten auf ein größeres Volumen der produzierten Waren umzulegen, es sei denn, es handelt sich um Export-Waren. 

Die Jahresbilanz der Agrarwirtschaft endete 2021 für die Tschechische Republik mit einem Defizit von zehn Milliarden Euro (408,5 Mio. Euro), und das wird auch in diesem Jahr der Fall sein, wie die Halbjahresbilanz bereits zeigt. Aber es gibt natürlich noch weitere Einflüsse auf den Anstieg der Lebensmittelpreise, darunter der Wechselkurs der tschechischen Währung und der relativ rasche Anstieg der Zinssätze, der viele Investitionen verteuert hat.

Alles deutet jedoch darauf hin, dass der derzeitige rasante Anstieg der Lebensmittelpreise (nicht aber das Wachstum als solches) in der Tschechischen Republik zu Ende geht, wie Daten des tschechischen Statistikamtes (ČSÚ) belegen. Laut den Aufzeichnungen sind die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise im Juli dieses Jahres zum ersten Mal seit langem im Vergleich zum Vormonat um 3,6 Prozent gesunken, obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr immer noch um fast 40 Prozent höher lagen. Im August dieses Jahres sind die Lebensmittelpreise im Vergleich zum Vorjahr noch immer leicht gestiegen, aber einige Lebensmittel, insbesondere Gemüse, sind bereits etwas billiger geworden. Außerdem werden die Lebensmittelpreise, wenn die bereits angekündigte Deckelung der Energiepreise erfolgt, sicherlich nicht mehr dramatisch steigen.

Quelle: E15

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