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30 Jun
Tschechen bewirbt sich um den Bau einer KI-Gigafactory

Der weltweite Mangel an Speicherchips und der daraus resultierende Kostenanstieg von Produkten in der Unterhaltungsindustrie, führte dazu, dass die Regierung die Teilnahme der Tschechischen Republik am europäischen Wettbewerb um den Bau eines großen Rechenzentrums für künstliche Intelligenz beschlossen hat.

Symbolbild: GettyImages

Industrieminister Karel Havlíček (ANO) bezeichnete den Beschluss als einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Sicherheit und der technologischen Unabhängigkeit des Landes. Das Projekt, dessen Wert auf rund 100 Milliarden Kronen (4,1 Mrd. Euro) geschätzt wird, könnte die Tschechische Republik zu einem der wichtigsten europäischen Zentren für die Entwicklung von KI machen. Ob Tschechien zum Zug kommt entscheidet sich 2027.

Abhängigkeit von ausländischen Anbietern soll minimiert werden

"Heute haben wir einen wichtigen Schritt zur Stärkung der nationalen Sicherheit und Widerstandsfähigkeit getan. Die Regierung hat den Plan zum Bau einer KI-Gigafactory in der Tschechischen Republik gebilligt. Das Projekt wird unter der Schirmherrschaft des EuroHPC JU (European High Performance Computing Joint Undertaking, Anm.) stehen und es tschechischen Institutionen und Unternehmen ermöglichen, eigene und gesicherte Kapazitäten im Zusammenhang mit der Einführung künstlicher Intelligenz zu nutzen", erklärte Vizepremier Havlíček nach der Kabinettssitzung. Der genehmigte Beschluss ermöglicht es dem Industrieministerium, Verhandlungen mit dem europäischen Unternehmen EuroHPC JU aufzunehmen, und ebnet tschechischen Akteuren den Weg zur Teilnahme am europäischen Wettbewerb. Laut Havlíček soll das Projekt unter anderem die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern von Rechenleistung verringern und das Risiko von Datenklau minimieren. 

"In der neuen Wirtschaft wird eigene Rechenleistung für das Training und den Betrieb von KI-Modellen eine der Grundvoraussetzungen für Innovationsfähigkeit, die Digitalisierung des Staates, den Datenschutz und die industrielle Entwicklung sein", erklärte der ehemalige Regierungsbeauftragte für künstliche Intelligenz und derzeitige Industriebeauftragte für KI und neue Technologien, Jan Kavalírek gegenüber dem tschechischen Magazin Echo 24.

Tschechien hat bereits früh mit der Vorbereitung begonnen und könnte dadurch einen Wettbewerbsvorsprung haben

Kavalírek bestätigte zugleich, dass České Radiokomunikace bereits seit längerer Zeit den Bau eines KI-Rechenzentrums in Jíloviště (Julowischt) bei Prag vorbereitet. Seiner Meinung nach verfügt der Standort über eine günstige Lage für die Versorgung Mittel- und Osteuropas, eine gute Anbindung sowie einen Zeitvorsprung, da die Projektvorbereitung bereits im Gange ist. České Radiokomunikace soll auch der Hauptinvestor des Projekts sein. 

Finanzierung wird aufgeteilt

Die Kosten von 100 Mrd. Kronen (4,1 Mrd. Euro) werden jeweils mit 15 Mrd. (618 Mio. Euro) vom tschechischen Staat und der europäischen Union gefördert. Die restlichen 70 Mrd. (2,9 Mrd. Euro) sollen von einem privaten Unternehmen finanziert werden.

Die Konkurrenz ist allerdings groß. Die Europäische Kommission verzeichnet rund 60 Bewerbungen aus 15 Ländern, davon sollen 5 Standorte zum Zug kommen. Die gräßten Konkurrenten sind vermutlich Österreich, Spanien, Deutschland, Dänemark oder die Niederlande.


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